Apple TV 4K mit 64 GB im Test: Viel Komfort, zwei klare Grenzen

von Tobias Bojko
veröffentlicht: aktualisiert: 9 Minuten Lesezeit:
Apple TV 4K der dritten Generation mit Siri Remote vor einem Fernseher.

Das Apple TV 4K mit Wi-Fi und 64 GB macht den Fernsehabend vor allem bequemer: eine übersichtliche App-Oberfläche, vielseitige Bildformate und die enge Verbindung zu iPhone und AirPods. Die kleine Streamingbox hat allerdings zwei klare Grenzen: einen fehlenden Netzwerkanschluss und kein Thread. Ob gerade diese Ausführung die richtige Wahl ist, hängt deshalb weniger vom Speicher ab, als der Modellname vermuten lässt.

Eine zusätzliche Box unter dem Fernseher muss heute gute Gründe liefern. Netflix, Mediatheken und andere Streamingdienste laufen schließlich längst auf vielen Smart-TVs. Apples Argument ist das Zusammenspiel: Filme, Musik, Fotos, Spiele und die eigenen Geräte landen auf einer gemeinsamen Plattform. Das kann den Alltag angenehmer machen, ist aber nicht für jeden den Aufpreis wert.

In diesem Bericht geht es um das Apple TV 4K der dritten Generation von 2022 in der Wi-Fi-Ausführung mit 64 GB. Die Unterscheidung ist wichtig: Die 128-GB-Version derselben Generation hat zusätzliche Anschlüsse und Funktechnik.

Das Apple TV 4K mit 64 GB im Überblick

MerkmalWi-Fi-Modell mit 64 GB
GenerationApple TV 4K, 3. Generation (2022)
ProzessorApple A15 Bionic
Speicher64 GB, nicht nachträglich erweiterbar
Offizieller Apple-Preis229 Euro (Deutschland, Stand: 5. September 2026)
NetzwerkWi-Fi 6 mit 2×2 MIMO, kein Ethernet
VerbindungenHDMI 2.1, Bluetooth 5.0
VideoBis 4K mit 60 Bildern pro Sekunde; Dolby Vision, HDR10+, HDR10 und HLG
AudioUnter anderem Dolby Atmos, Dolby Digital und Dolby Digital Plus
FernbedienungSiri Remote der 3. Generation, aufladbar über USB-C
Smart HomeAls Apple-Home-Steuerzentrale nutzbar, kein integriertes Thread
Abmessungen und Gewicht93 × 93 × 31 mm, 208 g

Technische Angaben laut Apple. Verfügbare Funktionen hängen zusätzlich von Software, Apps und angeschlossenen Geräten ab.

Kompakte Box, unkomplizierter Start

Das Gehäuse drängt sich im Wohnzimmer nicht in den Vordergrund. Gut neun Zentimeter Kantenlänge reichen für einen Platz neben dem Fernseher oder auf dem Lowboard. Das Netzteil steckt bereits in der Box. Ein zusätzliches Netzteil am Kabel, das hinter dem Möbel untergebracht werden müsste, entfällt.

Zur Einrichtung werden Strom, eine HDMI-Verbindung und WLAN benötigt. Mit einem iPhone lassen sich Schritte wie die Übernahme von Einstellungen vereinfachen. Ein iPhone ist für den grundsätzlichen Betrieb aber keine Pflicht. Für App Store und Apple-Dienste ist ein Apple Account erforderlich.

Weniger großzügig ist der Lieferumfang: Ein HDMI-Kabel musst du selbst mitbringen. Auch das USB-C-Kabel zum Laden der Fernbedienung ist nicht enthalten. Wer die Box verschenken oder direkt anschließen möchte, sollte diese Kleinigkeiten vorher einplanen. Gerade bei einem Produkt mit Premiumanspruch finden wir das unnötig knapp.

Bedienung: Hier liegt der eigentliche Mehrwert

Der A15 Bionic bietet eine leistungsfähige Grundlage für tvOS, Streaming-Apps und Spiele. Für den Fernsehabend ist dabei weniger interessant, wie eindrucksvoll ein Prozessor auf dem Datenblatt klingt. Entscheidend ist, ob man schnell zur gewünschten Sendung kommt und sich die Bedienung auch nach dem fünften App-Wechsel noch angenehm anfühlt.

Das Konzept überzeugt uns: Apps lassen sich auf dem Home-Bildschirm anordnen, während die Apple TV App Inhalte aus verschiedenen Bereichen zusammenführt. Beides sollte man auseinanderhalten. Die Box ist kein kostenloses Komplettpaket für sämtliche Filme und Serien. Die jeweiligen Dienste können eigene Abos, Käufe oder Leihgebühren verlangen. Auch innerhalb der Apple TV App ist nicht automatisch alles mit einem einzigen Abonnement abgedeckt.

Wer mit der Oberfläche seines Fernsehers zufrieden ist und ohnehin nur eine Streaming-App öffnet, bekommt durch die zusätzliche Hardware weniger Mehrwert. Anders sieht es aus, wenn das vorhandene System unübersichtlich geworden ist oder gewünschte Apps fehlen. Eine externe Streamingbox kann dann sinnvoller sein als ein neuer Fernseher.

Siri Remote: Wenige Tasten, viele Möglichkeiten

Siri Remote der dritten Generation mit Clickpad und Tasten in Nahaufnahme.
Die Siri Remote verbindet ein berührungsempfindliches Clickpad mit klassischen Tasten. Bild: Apple / Pressebild.

Die Siri Remote kombiniert ein berührungsempfindliches Clickpad mit echten Tasten. Du kannst durch Menüs wischen oder gezielt klicken. Wiedergabe, Lautstärke und Stummschaltung sind direkt erreichbar. Das ist eine sinnvolle Mischung: Die Fernbedienung bleibt übersichtlich, ohne jede alltägliche Funktion in ein Untermenü zu verbannen.

Über Siri lassen sich Inhalte suchen, ohne lange Titel Buchstabe für Buchstabe einzugeben. Alternativ hilft das iPhone als Fernbedienung und bei Texteingaben. Welche Steuerfunktionen für Fernseher und Receiver verfügbar sind, hängt von der jeweiligen Geräteunterstützung für HDMI-CEC beziehungsweise Infrarot ab. Eine Garantie, dass jede vorhandene Fernbedienung vollständig überflüssig wird, ergibt sich daraus nicht.

Der integrierte Akku wird per USB-C geladen. Apple nennt bei normaler täglicher Nutzung mehrere Monate Laufzeit pro Ladung. Das ist eine Herstellerangabe, keine von uns gemessene Akkulaufzeit. Praktisch ist vor allem, dass keine regelmäßigen Batteriekäufe nötig sind.

Bild und Ton: Gut ausgestattet, aber kein Wundermittel

Dolby Vision und HDR10+ sind eine starke Kombination. Die Box kann sich damit auf unterschiedliche Fernseher und Inhalte einstellen. Dazu kommt Dolby Atmos für passende Filme, Serien und Audiogeräte. Für ein Heimkino ist diese Formatvielfalt wertvoller als ein besonders auffälliger Startbildschirm.

Die Wirkung hängt jedoch von der gesamten Wiedergabekette ab. Ein Fernseher ohne das entsprechende HDR-Format bekommt es durch die Box nicht nachgerüstet. Ebenso wird aus gewöhnlichen TV-Lautsprechern allein durch ein Atmos-Logo keine vollwertige Surround-Anlage. Dienst, Tarif, Inhalt, Display und Audioanlage müssen zusammenpassen. Auch eine stark komprimierte Quelle wird durch den Wechsel der Streamingbox nicht automatisch hochwertig.

Unsere Empfehlung für die Einrichtung: Unter Einstellungen → Video und Audio → An Inhalt anpassen die Anpassung von Dynamikbereich und Bildrate prüfen. So kann die Ausgabe dem Originalformat folgen, etwa bei einem Film mit 24 Bildern pro Sekunde. Beim Wechsel kann der Bildschirm kurz schwarz werden. Das ist nicht zwangsläufig ein Defekt, sondern kann am Formatwechsel liegen.

Wer sein Wohnzimmer umfassender planen möchte, findet in unserem Beitrag zum Aufbau eines Heimkinos zusätzliche Grundlagen. Die dort genannten älteren Produktpreise solltest du allerdings separat mit aktuellen Angeboten vergleichen.

Reichen 64 GB? Für Streaming meist schon

Die Speicherfrage klingt beim Apple TV größer, als sie für viele Zuschauer tatsächlich ist. Für eine überschaubare Auswahl an Streaming-Apps sind 64 GB in der Regel ausreichend. Wer überwiegend Filme und Serien streamt, braucht keinen lokalen Speicher für seine gesamte Videothek.

Ein häufiger Denkfehler: Die 64 GB sind kein frei nutzbares Filmarchiv wie auf einem Laptop. In der Apple TV App auf der Box lassen sich Filme und Serien nicht für die Offline-Wiedergabe herunterladen. Die Inhalte werden gestreamt. Der Speicher wird unter anderem für Apps und deren Daten benötigt; ein Teil steht durch System und Formatierung nicht zur freien Verfügung.

Spiele verändern die Rechnung. Wer zahlreiche größere Titel installieren möchte, sollte mehr Reserve einplanen. Nicht verwendete Apps können gelöscht oder ausgelagert werden, doch ständiges Aufräumen ist auf Dauer lästig. Für ambitioniertere Arcade-Nutzung wäre die 128-GB-Ausführung daher die bequemere Wahl. Für den klassischen Serienabend ist der größere Speicher dagegen selten der entscheidende Kaufgrund.

Die wichtigere Einschränkung: WLAN ohne Ausweichmöglichkeit

Die Wi-Fi-Version ist auf eine gute drahtlose Verbindung angewiesen. Wi-Fi 6 ist dafür eine solide technische Basis. Ob im Wohnzimmer tatsächlich eine stabile Verbindung ankommt, hängt aber von Router, Aufstellung, Wänden und anderen Geräten ab.

Das Problem ist weniger WLAN an sich als die fehlende Alternative. Wenn hinter dem Fernseher ohnehin ein Netzwerkkabel liegt oder die Funkverbindung an diesem Standort schwächelt, lässt sich die 64-GB-Box nicht einfach auf Ethernet umstellen. Ein LAN-Anschluss fehlt. Der USB-C-Anschluss sitzt an der Fernbedienung und ist keine Anschlussmöglichkeit für einen Netzwerkadapter an der Box.

Die 128-GB-Version derselben Generation bietet zusätzlich einen Gigabit-Ethernet-Anschluss. Damit lässt sich die Box direkt per Netzwerkkabel mit dem Router verbinden. Bei der 64-GB-Ausführung bleibt WLAN die einzige Netzwerkverbindung.

iPhone, AirPods und Smart Home: Starkes Zusammenspiel mit einer Lücke

Die Verbindung zu anderen Apple-Geräten ist für uns eines der überzeugendsten Argumente. Fotos und Videos lassen sich per AirPlay auf den Fernseher bringen, das iPhone übernimmt bei Bedarf die Steuerung. Mit kompatiblen AirPods wird der späte Filmabend möglich, ohne das ganze Wohnzimmer beschallen zu müssen.

Über die Audiofreigabe können sogar zwei kompatible AirPods- oder Beats-Paare gemeinsam zuhören. Wer passende In-Ears sucht, findet unsere Einschätzung im Test der Apple AirPods Pro 3. Gerade solche kleinen Verbindungen zwischen bereits vorhandenen Geräten machen den Unterschied zwischen einer beliebigen Streamingbox und einem für den eigenen Haushalt passenden System.

Beim Smart Home lohnt sich genaueres Hinsehen. Das Wi-Fi-Modell kann als Steuerzentrale für Apple Home arbeiten. Es besitzt jedoch kein Thread-Funkmodul. Für Thread-basiertes Matter-Zubehör brauchst du daher zusätzlich eine passende Thread-Steuerzentrale oder einen unterstützten Border-Router. „Kein Thread“ bedeutet also nicht „kein Smart Home“ – es bedeutet, dass dieses Gerät allein nicht sämtliche Verbindungsaufgaben übernimmt.

Lohnt sich die Wi-Fi-Version mit 64 GB?

Das 64-GB-Modell kam 2022 auf den Markt. Entscheidend für den Kauf ist jedoch, ob seine Ausstattung zum eigenen Wohnzimmer passt. Wer hauptsächlich streamt, eine stabile WLAN-Verbindung hat und das Zusammenspiel mit iPhone und AirPods nutzen möchte, findet hier ein stimmiges Paket.

Apple verlangt in Deutschland 229 Euro für die Wi-Fi-Version mit 64 GB und 299 Euro für die Ausführung mit 128 GB, Ethernet und Thread. Der Unterschied beträgt also 70 Euro. Dafür bekommst du doppelt so viel Speicher, einen kabelgebundenen Netzwerkanschluss und die Thread-Funktechnik für kompatibles Smart-Home-Zubehör. Prozessor und unterstützte Bildformate sind bei beiden Varianten gleich.

Offizielle Apple-Preise, Stand: 5. September 2026. Händlerpreise können davon abweichen.

Modellgeneration, Speicher, Lieferumfang und Zustand sollten im Angebot eindeutig angegeben sein. Gerade Angebote mit verkürzten Titeln oder zusammengefassten Varianten verdienen einen zweiten Blick.

Unser Fazit: Gute Streamingbox, die zum Haushalt passen muss

Das Apple TV 4K mit Wi-Fi und 64 GB bietet ein schlüssiges Paket für Menschen, die ihren Fernseher komfortabel mit der Apple-Welt verbinden möchten. Die Formatunterstützung, die vielseitige Fernbedienung und die Verbindung zu iPhone und AirPods sind seine stärksten Argumente. Für überwiegendes Streaming halten wir den Speicher für ausreichend.

Die Grenzen der 64-GB-Version liegen beim fehlenden Ethernet-Anschluss und Thread-Modul. Dazu kommen die zusätzlich benötigten HDMI- und USB-C-Kabel.

Bei Apple kostet die Wi-Fi-Version mit 64 GB 229 Euro. Die Version mit 128 GB, Ethernet und Thread liegt bei 299 Euro. Für die zusätzlichen 70 Euro bekommst du doppelt so viel Speicher, einen LAN-Anschluss und Thread-Unterstützung. Ob du diese Extras brauchst, hängt von deinem Netzwerk, deinen Apps und deinem Smart Home ab.

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