NAD C 399 mit BluOS-D: Stereo, Streaming und Dirac in einer Anlage

von Tobias Bojko
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NAD C 399 Stereo-Vollverstärker in Graphite, Frontansicht

Ein Verstärker, der den Fernseher, den Plattenspieler und die Streaming-Bibliothek zusammenbringt – und sich dabei auch um den Hörraum kümmert: Genau darin liegt der Reiz des NAD C 399 mit MDC2 BluOS-D. Die Kombination verbindet einen kräftigen Stereo-Vollverstärker mit Netzwerk-Streaming und Dirac Live. Entscheidend ist allerdings, welche Ausstattung tatsächlich im Gerät steckt.

Wer eine hochwertige Stereoanlage aufbaut, landet schnell bei mehreren Kästen: Verstärker, Netzwerkspieler, Phonovorverstärker und vielleicht noch ein Gerät zur Raumkorrektur. Der C 399 kann vieles davon in einem Gehäuse bündeln. Er richtet sich damit an Musikfans, die passive Lautsprecher frei wählen möchten und gleichzeitig Streaming, Vinyl und TV-Ton nutzen wollen.

NAD C 399: viel Leistung in einem zurückhaltenden Gehäuse

Die Front bleibt angenehm sachlich: Display, Lautstärkeregler, Quellenwahl und Kopfhöreranschluss. Wer große Coverbilder oder einen Touchscreen erwartet, sucht hier an der falschen Stelle. Die Aufmerksamkeit gilt der Bedienung und der Elektronik dahinter.

NAD setzt auf seine HybridDigital-nCore-Verstärkertechnik. Die angegebene Dauerleistung beträgt zweimal 180 Watt an vier und acht Ohm. Das ist die relevante Zahl für die Einordnung; deutlich höhere Impulsangaben beziehen sich auf andere Messbedingungen. Für die Wandlung digitaler Signale ist ein ESS-Sabre-DAC zuständig.

Was bedeutet das im Alltag? Leistungsreserven sind vor allem dann interessant, wenn dynamische Musik, größere Hörabstände und anspruchsvollere Lautsprecher zusammenkommen. Eine hohe Wattzahl allein sagt aber weder voraus, wie eine Anlage im eigenen Wohnzimmer klingt, noch ersetzt sie eine passende Lautsprecheraufstellung.

Mit oder ohne BluOS-D: ein wichtiger Unterschied beim Kauf

Der C 399 besitzt zwei MDC2-Steckplätze für Erweiterungen. Netzwerk-Streaming über BluOS und die Dirac-Raumkorrektur kommen durch das optionale MDC2 BluOS-D hinzu. Ein Angebot für den Verstärker allein enthält diese Funktionen deshalb nicht automatisch.

Die hier vorgestellte Kombination umfasst ausdrücklich beides: den C 399 und das MDC2 BluOS-D. Das Modul sitzt im Verstärker und ergänzt WLAN sowie Ethernet. Dadurch bleibt der Aufbau übersichtlich: ein Verstärker, zwei passive Lautsprecher und die gewünschten Zuspieler.

Die Modularität ist ein praktischer Vorteil, sollte aber realistisch eingeordnet werden. Sie ermöglicht kompatible Erweiterungen; welche zusätzlichen Module künftig angeboten werden, lässt sich daraus nicht ableiten. Wer BluOS und Dirac von Beginn an nutzen möchte, sollte sie direkt in den Gesamtpreis einrechnen.

BluOS: Musik auswählen, ohne ständig umzustecken

Über die BluOS-App lassen sich Streaming-Dienste, Internetradio und eigene Musik im Netzwerk verwalten. Das Modul unterstützt hochauflösende Wiedergabe bis 24 Bit und 192 kHz. Hinzu kommen unter anderem AirPlay 2, Spotify Connect und Tidal Connect. Welche Qualität ankommt, hängt auch vom Dienst, dem Abonnement und dem gewählten Übertragungsweg ab.

Bei Connect startet die Auswahl in der jeweiligen Musik-App. Der Netzwerkspieler übernimmt anschließend die Wiedergabe. Das ist für eine Wohnzimmeranlage komfortabel: Du musst nicht jede Hörsitzung als Bluetooth-Verbindung organisieren.

Auch Multiroom ist vorgesehen. Über die bidirektionale MDC2-Verbindung können angeschlossene Quellen in ein BluOS-System eingebunden werden. Interessant ist das etwa, wenn die Stereoanlage im Wohnzimmer später um Musik in weiteren Räumen ergänzt werden soll.

Dirac Live: warum der Raum mitentscheidet

Ein Lautsprecher spielt immer zusammen mit seinem Raum. Wandabstände, Sitzplatz und Einrichtung können dafür sorgen, dass bestimmte Basstöne zu kräftig wirken oder andere am Hörplatz deutlich zurücktreten. Genau hier setzt die Einmessung an.

Das MDC2 BluOS-D wird mit einem kalibrierten Mikrofon und einer Dirac-Live-Limited-Bandwidth-Lizenz für den Bereich von 20 bis 500 Hz geliefert. Für die Korrektur über einen größeren Frequenzbereich ist ein separates Full-Frequency-Upgrade vorgesehen. Bis zu fünf Profile lassen sich speichern.

Bei der Einrichtung werden mehrere Positionen rund um den vorgesehenen Hörbereich gemessen. Aus diesen Messungen berechnet Dirac Filter; dabei werden Frequenzgang und zeitliches Verhalten berücksichtigt. Die Zielkurve bestimmt, welche tonale Balance angestrebt wird.

Unsere Empfehlung: Erst Lautsprecher und Hörplatz sinnvoll wählen, dann messen. Eine ungünstige Aufstellung nachträglich vollständig elektronisch reparieren zu wollen, ist der falsche Ansatz. Ebenso sollte ein Vorher-nachher-Vergleich bei vergleichbarer Lautstärke stattfinden. Sonst kann schon ein Pegelunterschied den vermeintlichen Gewinner bestimmen.

Eine Raumkorrektur ersetzt außerdem keine durchdachte Einrichtung. Wer in einem stark hallenden Raum hört, sollte sich auch mit reflektierenden Flächen und geeigneter Bedämpfung beschäftigen. Dirac ist ein Werkzeug zur Abstimmung der Anlage, kein Ersatz für die Raumakustik.

Rückseite des NAD C 399 mit HDMI eARC, Phono- und Digitaleingängen
Viele Quellen, eine Zentrale: die Anschlussseite des C 399, hier ohne eingebautes BluOS-D-Modul. Herstellerfoto: NAD Electronics.

TV, Vinyl und Kopfhörer: die Anschlüsse im Alltag

Für den Fernseher gibt es HDMI eARC. Das ist besonders interessant, wenn die Stereoanlage auch Serien, Filme und Konzerte wiedergeben soll. Der C 399 bleibt dabei ein Zweikanalverstärker: Ein eARC-Anschluss macht aus ihm keinen Surround-Receiver. Hinweise zu einer passenden Streaming-Quelle findest du in unserem Bericht zum Apple TV 4K.

Der Phonoeingang ist für MM-Tonabnehmer ausgelegt. Wer einen MC-Tonabnehmer einsetzen möchte, muss dessen Anforderungen separat berücksichtigen und gegebenenfalls einen passenden Phonovorverstärker nutzen. Dazu stehen zwei analoge Hochpegeleingänge, jeweils zwei optische und koaxiale Digitaleingänge sowie ein eigener Kopfhörerverstärker zur Verfügung.

Zwei Subwooferausgänge ermöglichen eine Erweiterung im Bass. Ob ein Subwoofer gebraucht wird, entscheidet jedoch nicht die Anschlussliste, sondern das Zusammenspiel aus Lautsprechern, Raum und gewünschtem Tiefgang.

Die wichtigsten Daten im Überblick

MerkmalNAD C 399 mit MDC2 BluOS-D
GerätetypStereo-Vollverstärker mit optionalem Streaming- und Dirac-Modul
Dauerleistung laut NAD2 × 180 Watt an 4 und 8 Ohm
Erweiterung2 MDC2-Steckplätze
TV und PlattenspielerHDMI eARC, MM-Phonoeingang
Streaming mit ModulBluOS, AirPlay 2, Spotify Connect, Tidal Connect
Dirac-Lizenz im Modul20–500 Hz; Full Frequency optional
Abmessungen B × H × T435 × 120 × 390 mm
Gewicht11,2 kg

Für wen sich die Kombination lohnt

Der C 399 mit BluOS-D ist besonders schlüssig, wenn mehrere Aufgaben zusammenkommen: passive Lautsprecher antreiben, unterschiedliche Quellen verbinden, Musik im Netzwerk nutzen und die Wiedergabe am Hörplatz abstimmen. Wer dagegen bereits einen guten Netzwerkspieler besitzt und keine Einmessung benötigt, sollte den Zusatznutzen des Moduls nüchtern gegenrechnen.

Zu berücksichtigen sind der zusätzliche Modulpreis und die Zeit für eine sorgfältige Einmessung. Einmal anschließen und überhaupt nicht mehr über Einstellungen nachdenken müssen – das ist eine andere Anforderung als die gezielte Anpassung einer hochwertigen Anlage.

Ein Beispiel für passende passive Lautsprecher findest du in unserem Bericht zur MoFi SourcePoint 10 Master Edition samt Ständern. Dort geht es auch darum, wie Verstärker, Lautsprecher und Aufstellung zusammenpassen.

Fazit: die Ausstattung macht den Unterschied

Der NAD C 399 mit MDC2 BluOS-D ist eine vielseitige Zentrale für eine anspruchsvolle Stereoanlage. Seine Stärke liegt in der Kombination aus Leistungsreserven, vielen Anschlüssen, Streaming und Raumkorrektur. Besonders überzeugend ist das Konzept für alle, die ihre Lautsprecher selbst auswählen und die Anlage später erweitern möchten.

Vor dem Kauf sollten drei Fragen geklärt sein: Ist das BluOS-D-Modul enthalten? Reicht die mitgelieferte Dirac-Lizenz? Und passen Bedienung und Anschlüsse zu den eigenen Quellen? Wer das berücksichtigt, kann die Ausstattung wesentlich besser beurteilen als über Wattzahlen oder Schlagworte allein.

Redaktionelle Produkteinordnung auf Basis der Herstellerunterlagen; keine eigenen Labormessungen. Technische Angaben: NAD C 399, MDC2 BluOS-D und NAD-Modulübersicht. Titelbild und Produktfoto: NAD Electronics.